ROTREIBSTOFFE -
VORTEILE UND NACHTEILE FÜR DIE DRITTE WELT,
AM BEISPIEL BRASILIEN
EINLEITUNG
Ich benutze die Bezeichnung Agrotreibstoff
und vermeide Bezeichnungen wie
Biotreibstoff – Bioenergie – Biodiesel,
weil die landwirtschaftlich
erzeugte Kraftstoffe
nicht unter den
Bedingungen des Biolandbaus erzeugt werde.
Auch die Via Campesiva
der internationale Dachverband der
kleinbäuerlichen Organisationen
schlägt diese Bezeichnung vor.
GROSSE
NACHFRAGE
Seit bekannt ist, dass der Verbrauch von fossilen
Kraftstoffen
für die Erderwärmung und
für den Klimawandel mitverantwortlich ist,
sucht man in den
Agrotreibstoffen eine Alternative.
Auch der hoher Preis vom Erdöl
und sein absehbares Ende
treibt die Nachfrage nach neuen
Energiequellen voran.
VIELE
FRAGEN UND EINE VORLÄUFIGE ANTWORT
Wir finden enthusiastische Befürworter der
Produktion von Agrotreibstoffen
es gibt aber auch radikale Gegner
und es gibt die gemäßigte fragende
Kritiker.
Es gibt kein abgesichertes Ja
oder Nein,
sondern nur differenzierte Antworten,
die eine große Diversität von Faktoren und
Aspekten berücksichtigen müssen.
-
Werden die Agrotreibstoffe die Rodung des Regenwaldes
beschleunigen?
-
Werden sie die Kleinbauern in den Entwicklungs – und
Schwellenländern
mit Geldscheinen, mit der
Pistole oder mit politischen Entscheidungen
in die
Peripherie der Städte vertreiben?
-
-
Werden sie große Teile der Ländereien einnehmen,
auf denen bis
jetzt Nahrungsmitteln erzeugt wurde?
-
und werden sie die Preise er Lebensmitteln damit
in die Wolken treiben?
-
Werden sie die Tanks füllen und die Tellern
leeren?
-
Werden sie große Monokulturplantagen entstehen
lassen,
mit all den Fitosanitären
Risiken,
mit Umweltzerstörung,
und mit der Abhängigkeit
ganzer Gemeinden
von einer
einzigen ökonomischen Aktivität?
-
Sollte sich hier etwa ein neuer vorübergehender
Wirtschaftszyklus anbahnen,
wie schon so
oft in der Geschichte
mit seinen
immer verheerenden Auswirkungen,
verschmutzte Flüsse,
vergiftete
Luft,
tiefe Wunden
in den Erdboden und
abtransportierte
Reichtümer,
ein halbes
Dutzend Superreiche und
Tausende von
armgemachten und ausgebeuteten Familien zurückgelassen haben? Oder werden
die Agrotreibstoffe den Fortschritt für die arme Bevölkerung bringen?
Ich habe meinen Neffen Leonardo Seyboth
gefragt. Er ist Agronom und Kleinunternehmer im Bereich der Agrarwirtschaft. Er
spricht mit Erstaunen von dem enormen Interesse
Transnationaler Großkonzerne, die
in das Geschäft einsteigen wollen.
Transnationale Konzerne aber
werden sich mit dem Produkt nur solange beschäftigen wie es für sie interessant
ist. Dann werden sie wegziehen und ein zerstörtes Szenario hinterlassen.
Gibt es Möglichkeiten, so fragen wir,
Agrotreibstoffe sozial und ökologisch
nachhaltig so zu produzieren,
dass sie, über die Zykluswirtschaft
hinaus,
die Lebensqualität der Armgemachten
Menschen verbessern können?
Auch wenn es keine leichte Antworten auf
die vielen Fragen gibt,
kann ich doch schon an diese Stelle
eine vorläufige Antwort formulieren:
Auf die Frage ob die Produktion von
Agrotreibstoffen sozial und ökologisch sinnvoll ist, kommt es mehr auf das wie
als auf das ob drauf an,
und das ob sollte von dem wie
bestimmt werden.
In anderen Worten:
Es ist sinnvoll, dass Entwicklungs – und
Schwellenländer
auf die wachsende Nachfrage nach
Agrokrafstoffen positiv reagieren
und sich an diesen Markt
beteiligen,
wenn sie Wege finden,
der Logik des freien
neoliberalen Marktes zu widerstehen,
um die soziale Integration der
Armgemachten zu fördern
und die ökologische Nachhaltigkeit zu
beachten.
BRASILIANISCHE BIODIVERSITÄT
Bei den Kraftstoffen aus
landwirtschaftlichen Produkten muss man unterscheiden zwischen, einerseits,
dem Ethanol, das aus Weizen, aus Mais, aus Zuckerrüben, aus Maniok, aus
Süßkartoffeln, aus Inhame, aus Cará und anderen Pflanzen, aber vor allem
aus Zuckerrohr hergestellt wird,
und andererseits, dem Agrodiesel,
der aus ölhaltige Pflanzen erzeugt wird.
Mit seinen enormen Landflächen
und mit seiner großen Biodiversität, hat für Brasilien große Möglichkeiten.
Für die Produktion von Ethanol braucht das
Land keine Edelkörner wie Mais, Weizen und Roggen benutzen – die für die
Nahrung wichtig sind – auch keine Zuckerrübe,
weil im ganzen Land das
Zuckerrohr gut gedeiht.
Und nur Ethanol aus brasilianischem
Zuckerrohr – so Gerald Knauf, vom Forum für Umwelt und Entwicklung, ist auf dem
internationalen Markt wirtschafts- und konkurrenzfähig
So sieht es auch Andreas Hetzer, in
seinem Beitrag in der Zeitschrift ILA (Nr. 340) :
Zuckerrohr – so Hetzer – ist
energetisch betrachtet am günstigsten, da die Pflanze wenig mineralische Dünger
erfordert, deshalb auch wenig Maschineneinsatz verlangt
und im Konversionsprozess auch die Bagasse
verströmt werden kann.
Die Bilanz zwischen Energieeinsatz und
Energieproduktion ist beim brasilianischen Zuckerrohr also sinnvoll.
Ethanol aus anderen Pflanzen, und in
anderen Ländern
ist nach wie vor deutlich teurer als
Benzin und Erdöl
und nur wettbewerbsfähig mit staatlichen
Subventionen.
Für die Erzeugung von Diesel, seinerseits,
bietet sich in Brasilien eine große Reihe von Pflanzen an:
-
Raps im Süden des Landes,
-
Sonnenblumen und Sojabohnen im Süden und im mittleren
Westen,
-
Ölrettich im Süden
-
Babassu im südlichen Amazonasbeckenrand
-
Gubuassu im ganzen Amazonasbecken
-
und hauptsächlich Mamona – Rizinus
das in ganz Brasilien gedeiht,
aber vorzüglich im armen Nordosten Diesel
produzieren soll.
Bis jetzt
wurde Mamona nur in kleinen Flächen im Staat Bahia für Erzeugung von
Arzneimitteln angebaut.
Anderswo wurde
es bis jetzt als Unkraut bekämpft.
ZWEITE GENERATION
Große
Hoffnungen setzt man auch auf die sogenannte
zweite
Generation von Agrotreibstoffen,
die nicht von
ganzen Pflanzen, sondern nur von landwirtschaftlichen Abfallprodukten - Stroh, Pflanzenreste, Sägemehl und Bagasse –
hergestellt werden.
Hier bieten
sich in Brasilien große Mengen von Orangenbagasse,
aber vor allem
der „bagaco de cana“ - die
ausgepresste Zuckerrohrstange an.
Ein weiterer
Rohstoff,
und das bringe
ich hier mehr als Kuriosität
für
Dieselproduktion, von der man noch wenig hört –
ist das
Tierfett,
und Brasilien
hat weltweit eine der größten Rinderherden,
auf 200.000.000
Hektar Weideflächen.
Auch wenn der
Anteil von Tierfett bei der Dieselproduktion noch klein ist,
gewinnt dieses
Abfallprodukt doch seit 2006 rasant schnell an Wert.
Sogar die
Preise vom verbrannten Pflanzenöl bei den großen Lebensmittellieferanten
geraten in Bewegung nach oben. (Aber Bratfette sind ja kein brasilianisches
Sondergut).
AGRODIESEL – OPTION FÜR KLEINBAUERN
Das Agrodieselprogramm der Regierung von
Lula da Silva soll vor allem von kleinen Produzenten getragen werden.
-
Descrevo
o tipo de agricultores
-
Descrevo as áreas que possuem
-
Descrevo o uso do solo
Das
Agrodieselprogramm will diese Campesinos in Genossenschaften organisieren,
will ihnen die
Urkunde für ihre Grundstücke besorgen,
bildet sie
technologisch aus und
garantiert
ihnen den Absatz ihres Produktes.
In Februar dieses Jahres gab es
19 Agrodieselfabriken
und bis Ende des Jahres sollen
noch 22 dazukommen.
Ab 2008 wird die Beimischung von
2% Agrodiesel zum fossilen Diesel gesetzlich sein.
Ab 2010 sollen es 5% sein.
Großunternehmer, die viel Diesel
verbrauchen,
wie z.B. die Viacâo Itaim, in Sâo
Paulo, mit ihren knapp 2000 Bussen,
fahren, mit besonderer Erlaubnis,
mit 30% Beimischung.
Das Agrodieselprogramm soll vor
allem die Kleinbauernfamilien im armen
Nordosten fördern
Dabei ist das Sozialsiegel
wichtig.
Bis Ende diesen Jahres dürfen
lediglich die Händler Biodiesel kaufen und verkaufen,
das Siegel erworben haben.
Durch eine Sperrrist von 2005 bis
Ende 2007,
soll den Kleinbauern einen
Vorsprung gegeben werden.
Alle Verträge mit den Kleinbauern
werden mit dem Beirat des brasilianischen
Dachverbandes der Landarbeitergewerkschaften CONTAG ausgehandelt.
Mehr als 30.000 Familien, in 333
Municipien, auf 100.000 Hektar hatten bis Februar Verträge gemacht.
Die Bodennutzung wird vom
Agrarforschungssystem EMBRAPA getestet und beurteilt
und zwar unter dem Kriterium des Mischanbaus,
der sogenannten Mosaikwirtschaft.
Damit wird die Agrobiodiversität
nicht nur bewahrt, sondern auch gefördert und
die Monokultur wird vermieden.
Sind die Bauern einmal
genossenschaftlich organisiert,
dann gelingt es ihnen günstige
Kollektivverträge mit Privatunternehmen abzuschließen.
Nun könnte jemand einwänden, dass der
Größter Teil vom Agrodiesel weiterhin aus Sojabohnen produziert wird,
und dass Sojabohnen in Monokultur angebaut werden.
Das stimmt,
doch muss man dazu sagen:
1)
Sojabohnen werden von Kleinbauern – pequenos
agricultores - angebaut,
2)
Sie werden von mittelgroßen Bauern – lavoureiros
– angebaut und
3)
Sie werden von Großgrundbesitzern – fazendeiros
– angebaut.,
darunter der weltweit größter von allen,
der Bundesminister von Mato Grosso, mit seinen 85.000 Hektar.
An dieser Stelle muss ich
betonen, dass SOJAÖL nicht
Hauptprodukt
sondern Nebenprodukt der
Sojaverwertung ist.
Hauptprodukt ist der Eisweißkuchen,
der hauptsächlich als Futter für
Tiere in Europa und Japan verwendet wird.
Schon daher ist kaum anzunehmen,
dass Sojaöl, wenn es als Treibstoff benutzt wird
die Preise des Sojaspeiseöls in
die Höhe treiben wird,
außerdem gibt es günstige Ersatzmöglichkeiten
– wie z.B. Sonnenblumen, Erdnüsse und andere Pflanzen, die in Brasilien gut
gedeihen.
Im Hinblick auf die Umweltprobleme kann
man vermuten, dass nicht dass Nebenprodukt Sojaöl, sondern die
Nachfrage nach dem Eiweißkuchen das Wachsen der Sojaplantagen bestimmen
wird.
Was dem Rizinus im Nordosten betrifft,
ist auch kaum zu erwarten,
dass eine Konkurrenz um die
Besetzung von Landflächen entstehen wird, aus zwei Gründen:
1)
Die Regierung will den Mischanbau,
und hiermit bietet sie den Subsistenzkleinbauern
die Gelegenheit,
auf ihren Hungerplantagen,
zum erstenmal, Lebensmittel mit
mehr Erfolg zu produzieren.
2)
Es ist zu hoffen, dass der Gewinn an Technologie und
Organisationswissen
sich auf die
ganze Hungerregion des Nordosten ausbreite,
so dass die
Produktion von Nahrungsmitteln,
durch bessere
Nutzung des Bodens steigen wird
und die
Menschen dann nicht mehr – um zu überleben – in den Süden auswandern müssen
( 4.000.000
und LULA ).
Wie wir sehen
können, deutet alles darauf hin,
dass
Agrodiesel in den kommenden Jahren
einen
vielversprechenden Markt haben wird
und die Lebensqualität
vieler Menschen verbessern kann.
Das Beispiel
MAMONA zeigt uns, dass es Wege gibt
Agrodiesel so zu
produzieren
dass
Produktion und Vermarktung
sozial
nachhaltig sind,
die
ökologischen Schäden reduzieren oder vermeiden
und die
soziale Integration fördern.
Schade wäre es
wenn die Nachfrage nur eine Übergangswirtschaft hervorgerufen hätte.
Dann hätten
wir am Ende nur wieder eine Zyklenswirtschaft.
Schade wäre es
auch, wenn die neuen Entdeckungen von gigantischen
Erdöl – und
Erdgasvorkommnissen
vor der Küste
von Santos – Sâo Paulo,
dem
Agrodieselprogramm das Öl aus dem Motor nehmen würde.
Diese neuen
Entdeckungen von Petroleum und Gas verlängert die jüngst gewonnene
Unhabhängigkeit Brasiliens von Energieimport für viele Jahre.
E
T H A N O L
Die Ethanolproduktion
bringt uns mehr kritische Fragen als die Agrodieselproduktion.
Obwohl fast
jeder Kleinbauer in Brasilien Zuckerrohr anbaut, wird Ethanol doch
hauptsächlich von Großgrundbesitzern erzeugt.
Die Geschichte
der großen Zuckerrohrplantagen sprechen von wirtschaftlichen Erfolg,
aber sie
sprechen auch von sozialer Ungerechtigkeit, von Grausamkeit und Leiden.
Sie begann im
Jahr 1534, als die portugiesischen Krone das neu eroberte Land in 13
sogenannte
„Capitanias Hereditárias“ – Erbleihen
aufgeteilt
und sie dann
an ihren Begünstigten verschenkt hat.
Diese haben
die Capitanias dann in Sesmarias ( 6,6 Km im Quadrat ) aufgeteilt, um sie an
Verwandten und
Freunden weiter zu verschenken.
Viele der
Beschenkten haben ihre Ländereien nie angeschaut, sondern Verwalter geschickt,
die sie mit Sklaven bearbeitet haben.
Die einzige
wirtschaftlich erfolgreiche Capitania war die von Pernambuco, im regnerischen
Teil des Nordostens. Ihren Erfolgt verdankte sie dem Zuckerrohr.
Die Plantagen
wurden unter der Trias „ PÂO, PANO, PAU – Brot, Tuch und Knüppel
betrieben, und mit der Zeit haben sich die Plantagen in Richtung Süden
verbreitet,
so dass heute
ihr Zentrum im Bundesstaat Sâo Paulo liegt.
Die Zuckerbarone haben bis zuletzt gegen
die Aufhebung der Sklavenwirtschaft
gekämpft. Als die Sklaverei dann, endlich, im Jahr 1888 offiziell aufgehoben
wurde,
konnte das
Gesetz die Mentalität
und die
inkulturierte Unterscheidung zwischen Herr und Sklave nicht überwinden.
Die Herr-Sklaven- Mentalität beharrt
während der Jahrhunderte und bestimmt noch heute den Umgang vieler
Großgrundbesitzer mit den armgemachten Knechten.
Dazu kommt noch die Tatsache, dass die
Großgrundbesitzer mit ihrer
„bancada ruralista“,
mit rund 160
Abgeordneten in Brasilia enorme politische Macht besitzen.
Um Zuckerrohrethanol auszupressen – sagt
mein Bruder Werner – muss man mit den großen Hunden bellen lernen, und die
haben bissige Zähne.
Seine Behauptung wurde noch einmal
bestätigt,
als die Staatspolizei vor 3 Wochen
wieder 37 Sklaven in auf einer abgelegenen
Fazenda befreit hat.
Sie waren nicht die ersten.
Während der Regierung von Lula da Silva
wurden rund 4.500 Knechte
aus Sklavenähnlichen Bedingungen befreit.
Die „bancada ruralista“ scheute sich
nicht, mit Ableugnungen, Verleumdungen und Wahrheitsverdrehungen zu
protestieren.
Große Teile der Presse hat die Geschichte
verschwiegen.
DIE
VORTEILE
Wie wir schon gehört haben, hat
brasilianisches Zuckerrohrethanol große Vorteile auf dem internationalen Markt,
und das nicht allein wegen der Ausbeutung der Knechte.
Zuckerrohrethanol bringt eine günstige
Bilanz zwischen Energieeinsatz und Energieergebnis, weil es wenig
Maschineneinsatz, Spritzmittel und Dünger fordert.
Damit ist der Nettoenergiegewinn
unvergleichlich größer als z. B. bei der Ethanolerzeugung aus Mais in den USA
und Rüben, Roggen und Weizen in Europa.
Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde beim
Besuch des USA-Präsidenten Busch in Brasilien anfangs März 2007 eine
Partnerschaft der beiden Länder geschlossen,
die z.Z. 70%
der weltweiten Agroethanolerzeugung auf sich vereinigen.
Diese Partnerschaft erhöhte die Hoffnungen
auf große Geschäfte mit Agrotreibstoffe, sowohl auf den Plantagen, als auch
innerhalb aller Beschäftigungssektoren,
die mit ihnen
verbunden sind.
ANDERE ETHANOLQUELLEN
Obwohl das Zuckerrohr diese hervorragende
Stelle einnimmt,
hat die
Regierung unter Lula da Silva, im November diesen Jahres,
große Gelder
für die Forschung nach Ethanolproduktion
aus Maniok,
Süßkartoffeln und anderen Pflanzen,
die in
Brasilien gut gedeihen, zur Verfügung gestellt.
Es sind Pflanzen, die in ganz Brasilien,
hauptsächlich
von Kleinbauern gepflanzt werden,
die sie für
die eigene Nahrung und als Tierfutter verwenden.
Sollte das Ethanol aus diesen Pflanzen,
die wenig anspruchsvoll sind,
die von ihnen schon immer auf
Mischplantagen kultiviert wurden
sich als wirtschaftlich
rentabel erweisen,
dann würde es für die Kleinbauern
große wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen.,
und zwar auf nachhaltigen
Mischplantagen.
POSITIVE KRITIK
Die Landlosenbewegung – MST – wichtigstes
Sprachrohr der Via Campesina in Brasilien
und stärkste Widerstandskraft der
neoliberalen Ideologie und Wirtschaft,
die den Kandidat Lula da Silva
immer unterstützt hat,
jetzt aber positive Kritik
äußert,
ist nicht generell
gegen die Produktion von Agrokraftstoffe
aber sie kämpft gegen die
Monokultur
und überhaupt gegen das
Produktionsmodell des Großgrundbesitzes.
Die MST kämpft für
-
die Stärkung des Innenmarktes,
-
den Umweltschutz
-
verringerten Einsatz von Chemikalien
-
die Förderung der Biodiversität,
mit dem
Schwerpunkt auf Nahrungsmittelproduktion
Außerdem
kämpft sie den harten Kampf für eine
gerechte Landverteilung,
wobei viele
Menschen schon ihr Leben verloren haben
und einige
Politiker ihre Karriere.
Um diese Forderungen des MST zu erfüllen,
müsste Lula da Silva den Streit mit den großen Hunden aufnehmen.
Lula ist aber nur ein relativ kleiner Hund
und man muss
noch dazu sagen, dass er sich hat an die Kette legen lassen,
denn um
überhaupt regieren zu können,
musste er mit
verschiedenen Parteien Kompromisse eingehen.
DIE EIGENTLICHE BEDROHUNG
Selbst wenn die Zuckerrohrplantagen
expandieren sollten,
bedeuten sie
nicht die größte Gefährdung für den Regenwald
und für die
Nahrungsmittelfelder,
denn erstens liegt ihr Zentrum 2.000 KM vom Regenwald entfernt und
zweitens sind die
jetzigen 6 MIO Hektar immer noch
wenig
im Vergleich
zu den 20 MIO Hektar
Sojabohnenplantagen und den
200 MIO
Hektar Weidenflächen der Rinderzucht
Im
vergangenen Jahr hat Brasilien zum ersten Mal Australien
als weltweit größter Fleischexporteur überholt.,
und solange
der Hunger nach Fleisch weltweit wächst
werden auch
die Weidenfächen wachsen.
-
von 2002 bis 2005 wurden die Weiden im Bundesstaat Pará
um 48%
-
und im Staat Rondônia um 41% vergrößert
Weniger die Hand des Präsidenten und seiner
Minister
werden die Expansion der Plantagen bestimmen,
als die große unsichtbare Hand des freien
Marktes,
solange man ihr keinen Widerstand leistet.
Wie die Landflächen in Brasilien benutzt
werden,
das bestimmt an
erster Stelle das politisch-ökonomische
System
und dann an
zweiter Stelle die Nachfrage nach Agrotreibstoffe.
In dem neoliberalen System hat der
große
José Lutzenberger,
als
Umweltminister, sehr schnell das Handtuch geworfen
und die
jetzige Umweltministerin
Marina da Silva
wird von den
Großunternehmer,
von den
Apologeten der neoliberalen Wirtschaft und
von einem Teil
der Presse
als Hindernis
für Wachstum, Entwicklung und Fortschritt angesehen und verspottet.
Dasselbe
geschieht mit der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA
Marina da Silva ist eine Tochter des
Waldes.
Sie war Mitstreiterin von Chico Mendes,
der von einem
Großgrundbesitzer ermordet wurde.
Auf dem
Weltsozialforum in Porto Alegre hat Marina da Silva eine 11/2 stundenlange Bibelarbeit über die Schöpfungsgeschichte
geleitet.
In ihren
Ansprachen zeigt sie gute Kenntnisse über den konziliaren Prozess Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der
Schöpfung,
der vom ÖRK
eingeleitet wurde und den Anstoß für den UN Weltgipfel in Rio, 1992 gegeben
hat.
WILLE ZUM WIDERSTAND
Die Frage lautet:
Inwiefern hat
die Regierung den politischen Wille und die politische Macht,
um der
unsichtbaren Hand des Marktes Widerstand zu leisten,
wie sie es im
Beispiel des Agrodieselprogramms auf intelligenter Weise macht.
Der Markt sieht nur potenzielle
Anbauflächen.
Er ist blind für Ökosysteme und für
soziale Nachhaltigkeit.
Es ist der Staat, der für eine
sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung
sorgen muss.
Innerhalb des freien Marktes wächst in Lateinamerika noch eine andere
Gefährdung des Urwaldes heran, und zwar
die Monokultur der Schnellwachshölzer
wie
Eukalyptus, Kiefer, Kiri und Akazie.
Wenn die Schätzungen stimmen, sollen die
gegenwärtige Flächen der
„grünen
Wüste“, in den nächsten 5 Jahren, von 5,3 MIO auf 14 MIO Hektar
erweitert
werden.
EIN FAKTOR UNTER ANDEREN
Obwohl die Produktion von Ethanol sozial
und ökologisch bedenklich ist, können wir sehen, dass sie nur ein
Faktor unter anderen ist.
Sie darf nicht isoliert, sondern
sie muss innerhalb des gesamten politischen und wirtschaftlichen Systems
gesehen werden,
das an erster
Stelle auf Wachstum und Profit ausgerichtet ist.
Dieses System wäre nur durch eine
durchgehende Agrarreform zu brechen,
aber Lula da Silva will lieber
regieren und das tun was möglich ist,
als abgesetzt oder ermordet zu
werden.
Brasilien verfügt über eine lobenswerte
Umweltgesetzgebung,
trotz allen Widerstandes und
trotz aller Schwierigkeiten.
Wenige Tage nach der Ermordung der
Ordensfrau Dorothy Stang hat Lula da Silva
ie emotionale Stimmung benutzt um
ein gigantisches Waldschutzgebiet gesetzlich zu sicher. Damit sind jetzt 80%
des Amazonaswaldes vor dem Abholzen gesetzlich geschützt.
Hinzu kommen Reservate der
indigenen Völker.
Dem IBAMA sind 60 MIO
Hekatr Schutzgebiet unterstellt.
Auf diesem Gebiet ist eine nachhaltige
Nutzung vorgesehen,
mit der Beteiligung von Índios,
Kautschukzapfer und Caboclogemeinden,
die alle mehr vom Sammeln, als
vom intensiven Anbau leben.
Diese Nutzung wird von der
Regierung nicht nur erlaubt,
sondern auch technologisch und
wirtschaftlich gefördert.
Dies ist ein Weg, den man
gefunden hat, um diese Gebiete vor Waldrodung und Monokultur zu schützen – ein
gutes Beispiel von Widerstand gegen die Logik des freien Marktes.
UNAUSREICHENDE VERSORGUNG
Selbst wenn die Entwicklung der
Agroteibstoffe die enthusiastischen Prognosen erfüllen sollte, würde sie den
Durst nach Treibstoff nicht sättigen.
Wie viel man auch immer in die Agrotreibstoffe
investieren wird,
sie können das gegenwärtige
weltweite Transportsystem nur mit einem kleinen Teil versorgen
Das Auto – wahrer Fetisch unserer
Gesellschaft – in dessen Namen weltweit 1,2 MIO
Tote und 50 MIO Verletzte,
Pflanzen, Tiere und Ökosysteme zum Opfer fallen,
freut sich weiterhin großer
Verehrung, als Zeichen von Erfolg, Status und Reichtum.
Seine Hohenpriester werden jeglicher
Änderung des Transportsystems
entschieden widerstehen.
Nur in der Stadt Sâo Paulo werden täglich
870 neue Autos auf die Strassen gesetzt.
Und in China erwartet man, dass in den
Nächsten Jahren 10% der Bevölkerung ein Auto besitzen wird. Allein das werden
dann 130 MIO Autos sein.
Den Treibstoff für diese Entwicklung wird
die Landwirtschaft nur zum Teil versorgen können.
ZUSAMMENFASSUNG
-
Die Nachfrage nach Treibstoff steigt andauernd.
-
Die Reserven von fossilen Kraftstoffquellen sind
begrenzt und ihr Verbrauch erreicht bald den
Produktionshöhepunkt, wenn er ihn nicht schon erreicht hat.
-
Die Preise der fossilen Kraftstoffe steigen drastisch.
-
Fossile Treibstoffe belasten die Umwelt und zerstören
sie.
-
Innerhalb dieser Konjunktur steigt die Suche nach
alternatives Treibstoffquellen.
-
Agrotreibstoffe erweisen sich als Alternative für ein
Teil der Kraftstoffbedürfnisse.
-
Wegen der
großen Biodiversität und der großen Landflächen, hat Brasilien die
Möglichkeit, einen großen Teil der gefragten Agrotreibstoffe zu liefern.
-
Es ist zu unterscheiden zwischen Ethanol, Agrodiesel
und Agrogas.
-
Wir hören radikale Gegner, gemäßigte Kritiker, und
begeisterte Verteidiger
der
Agrokraftstoffproduktion.
-
Einfache Antworten gibt es nicht, und Ja–und
Neinantworten sollte man vermeiden.
-
Das brasilianische Agrodieselprogramm ist ein intelligentes Modell für eine sozial
und ökologisch nachhaltige Wirtschaft.
-
Die brasilianische Ethanolproduktion aus Zuckerrohr
stellt uns vor schwierigen Fragen, weil der größter Teil in Monokultursysteme
auf Großgrundplantagen betrieben wird.
-
Größere Gefährdung für den Regenwald und sozial genauso
problematisch sind Soja – und Schnellholzplantagen sowie Rinderweiden.
-
Die gegenwärtige brasilianische Regierung kann der
neoliberalen Wirtschaftslogik nur einen begrenzten Widerstand leisten.
-
Selbst wenn Brasilien alle Agrotreibstoffproduktionsmöglichkeiten
in Kraft setzen würde, könnte das Land nur höchsten 10% der weltweiten
Bedürfnisse des heutigen Transportmodells versorgen.
-
Sinnvoll sind die Agrokraftstoffe nur dann, wenn sie
ökologisch nachhaltig, sozial integrationsfördernd und wirtschaftlich rentabel
sind, ohne Nahrungsmittelfelder zu ersetzen, und wenn die Bilanz zwischen
Energieeinsatz und Energieproduktion Sinn macht.
-
Wünschenswert wäre die Auflegung einer staatlichen Zertifizierung mit
dem Einverständnis und der Unterstützung
der Einfuhrländer und des großen Handels, nicht nur für Ethanol, sondern
auch für alle andere Produkte die aus den Entwicklungs- und Schwellenländern
kommen; eine Zertifizierung die sowohl die soziale als auch die ökologische
Nachhaltigkeit und den fairen Handel nachweist.
Silvio Meinke